Hintergrund

Mit seiner Sozialgesetzgebung, mehr noch aber mit seiner Steuerpolitik, machte sich Calderón weite Teile der Oligarchie zum Feind.

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José Figueres Ferrer, By fototeca.iiccr.ro, via Wikimedia Commons

Zu seinem profiliertesten Gegner sollte im Rahmen der Wahlen von 1948, bei denen Calderón nach vierjähriger Abstinenz für eine zweite Amtszeit kandidierte, der Kaffee-Farmer José Figueres Ferrer, alias „Don Pepe“, werden.
Nach einem umstrittenen Wahlausgang, der den Oppositionskandidaten Otilio Ulate als Sieger sah, annullierte der von Calderón–Anhängern dominierte Kongress die Wahlen. Daraufhin kam es zu einem bewaffneten Aufstand unter der Führung Figueres Ferrers’, der sich zu einem sechswöchigen Bürgerkrieg ausweitete.

Die Junta um Figueres Ferrer setzte sich durch. Am 1.Mai 1948 wurde der “Figueres-Ulate Pakt” besiegelt, nach dem die Junta für 18 Monate regieren und anschließend die Macht an den Wahlsieger – Otilio Ulate – übergeben sollte. Erstaunlich genug im lateinamerikanischen Kontext, wurde diese Vereinbarung pünktlich zum 8.November 1949 erfüllt.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Figueres Ferrer eine autoritäre und antikommunistische Interimsregierung installiert, die tiefgreifende Reformen durchsetzte: Sie verbot die Kommunistische Partei, verstaatlichte das Bankensystem, führte eine 10 prozentige Mehrwertsteuer ein und schaffte das Militär zugunsten einer kleinen Nationalgarde ab.
Erst in der neuen Verfassung der “Zweiten Republik” von 1949 erhielten die afro-karibische Minderheit die vollen Bürgerrechte und Frauen das uneingeschränkte Wahlrecht.
Figueres Ferrer blieb die dominierende politische Figur Costa Ricas in der 2.Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1953 und 1970 wurde er zum Staastoberhaupt gewählt.