Hintergrund

Das Holz der Mahagonibäume dominierte das wirtschaftliche, soziale und politische Leben der britischen Kolonie bis Mitte des 20. Jahrhunderts.

Der Wechsel vom Blauholz zum Mahagoni brachte der Kolonie dramatische Veränderung. Zur Gewinnung von Mahagoni wurden weitaus mehr Land, Arbeitskräfte und nicht zuletzt Kapital benötigt. Auf diese Weise entstand eine kleine, wohlhabende Oberschicht, die einen Großteil des Landes und der Arbeitskräfte kontrollierte.
Die Mahagoni-Preise waren von Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt abhängig. Stieg die Nachfrage, wurde der Holzeinschlag in die langsam wachsenden Mahagoni-Bestände gesteigert, ohne dass diese wieder aufgeforstet wurden. So mussten die Holzfäller immer tiefer ins Landesinnere eindringen, um entsprechende Baumbe-stände zu finden. Dieser erhöhte Aufwand ließ die Kosten steigen, während parallel dazu die Nachfrage auf dem Weltmarkt und mit ihr die Preise Mitte des 19.Jahrhunderts rapide sanken.
Die Abhängigkeit der Kolonie vom Mahagonihandel wirkte sich vor allem in Zeiten fallender Preise auf die Kolonialgesellschaft aus.
Ging eine der Holzgesellschaften in Konkurs, wurde sie von einer anderen, bereits bestehenden Gesellschaft aufgekauft, was zu einer beschleunigten Konzentration von Land und Kapital in den Händen Weniger führte.
Der ungleichen Verteilung von Landbesitz entsprach auch die politische Repräsentanz der Bevölkerung. Das Wahlrecht besaß nur, wer Land besaß.
Ende des 18.Jahrhunderts war aus dem Nutzungsrecht für ein bestimmtes Areal de facto Privateigentum geworden. Lediglich 12 Familien, die sich auf die ersten Baymen zurückführten, besaßen vier Fünftel des gesamten Territoriums. Auch nach der Abschaffung der Sklaverei blieb es bei dieser ungleichen Verteilung. Die wenigen Landbesitzer entschieden auch über die Nutzung des Landes. Profite aus dem Holzhandel waren ihnen wichtiger als Erträge aus der Landwirtschaft, auch weil sie am Import der benötigten Lebensmittel verdienten. In erster Linie konnten sie so Anzahl und Preis der Arbeitskräfte kontrollieren.

Die britischen Siedlungen in Belize waren von Beginn an darauf angewiesen, Lebensmittel, Werkzeuge und andere Arbeitsgeräte zu importieren. Besonders unverzichtbar war die Einfuhr von Mehl und gepökeltem Schweinefleisch. Die mangelnde Selbstversorgung der Siedlungen (und später der Kolonie) ließ eine wohlhabende und einflussreiche Schicht von Händlern entstehen.
Als Guatemala 1859 der britischen Krone die Souveränität über Belize in den noch heute bestehenden Grenzen zugestanden hatte, wurden 1862 aus den britischen Siedlungen die offizielle Kolonie “Britsch Honduras”.
An den Landbesitz-Verhältnissen änderte dieser Statuswechsel nichts. Das in England von einem Anwalt der späteren British Honduras Company formulierte Gesetz zur Regelung von Landansprüchen, die sogenannten Land Titles Acts, gestattete es, auch Land zu verkaufen, auf das kein legaler Rechtsanspruch nachgewiesen werden konnte.
1875 änderte die British Honduras Company ihren Namen in Belize Estate and Produce Company (B.E.C.). Sie beherrschte Belize für die kommenden hundert Jahre, da ihr ein Fünftel von Belize und über die Hälfte des in Privatbesitz befindlichen Landes gehörte.
Ihre Vorstandsmitglieder hatten beträchtlichen politischen Einfluss, nicht nur beim Gouverneur der Kolonie, sondern auch bei der britischen Regierung. Die B.E.C. plünderte den Holzbestand der Kolonie, ohne sich um die nachhaltige Nutzung der Edelholz-Bestände zu kümmern.
Noch im Jahr 1971 besaßen 3 Prozent der Bevölkerung 95 Prozent des Landes, während 91 Prozent der Bevölkerung gerade einmal über 3 Prozent des Landes, aufgeteilt in kleinste Parzellen, verfügten.