Mexiko trat unter dem PRI-Präsidenten Salinas de Gortari dem GATT– Abkommen bei und musste seine Grenzen für Agrarimporte öffnen. Die Kleinbauern in Mexikos Süden hatten kaum eine Chance. 1994 verloren die indigenen Bauern auch ihren rechtlichen Schutz: Die Reform des Artikels 27 der Verfassung schaffte den “Veräußerungsschutz” für das kommunale Ejido – Land ab. Es wurde aufgekauft und geriet in den Sog der Landkonzentration.
Zeitgleich zum Beitritt Mexikos zur Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA am 1. Januar 1994, der die Zugehörigkeit Mexikos zur Ersten Welt suggerieren sollte, brach der zapatistische Aufstand in Chiapas aus. Am Neujahrsmorgen hatte die – zapatistische Armee der nationalen Befreiung – (EZLN) San Cristóbal de las Casas und weitere Orte im Hochland besetzt. Ihre Vertreter erklärten, dass sie sich für “den bewaffneten Weg” entschieden hätten, um die existenziellen und berechtigten Forderungen der indigenen Landbevölkerung nach “Land und Freiheit” durchzusetzen.

Kundgebung nach dem Marsch auf Mexico City

Kundgebung nach dem Marsch auf Mexico City

Nach einem zwölftägigen Krieg, der zwischen 145 (Version der Regierung) und 1000 (Version der Zapatisten) Menschenleben forderte, erklärte die Regierung einen einseitigen Waffenstillstand. Unter Vermittlung von Samuel Ruiz, Bischof von San Cristóbal, kam es zu einem ersten Gespräch zwischen Regierung und Zapatisten. Im Jahr darauf unternahm die Regierung einen erneuten Versuch, das Problem militärisch zu lösen und die Bewegung ihrer Führung zu berauben. Die Festnahme der Anführer misslang.
Nach einigen Verhandlungserfolgen der EZLN und ebenso vielen Rückschlägen schien mit dem Amtsantritt Fox‘ eine Lösung des Konflikts möglich. Er nahm Chiapas in die politische Tagesordnung auf und schloss 53 Militärposten im südlichen Bundesstaat. Ende Februar 2001 kam es zum Marsch der Zapatisten auf Mexiko City. Sie wollten vor dem Bundeskongress die 1996 ausgearbeitete Verfassungsreform über indigene Rechte verteidigen. Der Marsch durch 12 Bundesstaaten brachte der Bewegung viel öffentliche Aufmerksamkeit und Unterstützung. Die Hoffnung auf einen positiven Ausgang des Verhandlungsprozesses zerschlug sich jedoch jäh. Das Gesetz, das der Bundeskongress im April verabschiedete, ignorierte wesentliche Elemente indigener Autonomie. Die EZLN bezeichnete das Gesetz als Verrat und lehnte weitere Verhandlungen mit der Regierung ab. Seitdem herrscht Schweigen. (Stand: 1.1.2004)

Subcommandante Marcos?

Subcommandante Marcos?

Wesentlichen Anteil am internationalen Medienecho, das die EZLN erfuhr, hatte der Kult um ihren stets maskiert auftretenden Anführer – Subcomandante Marcos und dessen mutmaßliche Identität. Ob die Marktgesetze der Medienöffentlichkeit oder eine gezielte Medienstrategie der EZLN für diese Zuspitzung verantwortlich waren, in jedem Fall konterkarierte sie den basisdemokratischen Anspruch der Bewegung. Denn anders als die meisten politischen Bewegungen strebt die EZLN nicht die politische Machtübernahme an und verweigert damit ihre Integration in bestehende Strukturen. Dies machte sie weit über Chiapas hinaus zum Impulsgeber, auch für internationale Bewegungen, wie z.B. das Netzwerk Attac.