Benito Juárez kam 1819 als 13jähriger Waise aus einer armen Schafhirten-Familie nach Oaxaca, wo er und seine Schwester Rosa im Haus der Familie Maza aufgenommen wurden.

Benito Juárez, By Pelegrín Clavé (http://www.inehrm.gob.mx/) [Public domain], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ARetrato_de_Benito_Ju%C3%A1rez%2C_1861-1862.png">via Wikimedia Commons</a>

Benito Juárez, by Pelegrín Clavé (www.inehrm.gob.mx/) [gemeinfrei], via Wikimedia Commons

In Antonio Salanueva fand einen tief religiösen Förderer, der den Jungen neben Lesen, Schreiben und Mathematik auch in Buchbinderei unterrichtete. Dann schickte er Benito Juárez auf das Franziskaner–Seminar von Oaxaca, um ihn zum katholischen Geistlichen ausbilden zu lassen. Juárez absolvierte zwar das Seminar, jedoch nur, um sich endlich dem ersehnten Jurastudium widmen zu können. Bereits vor Abschluss des Studiums 1834 hatte sich Juárez als Ratsherr von Oaxaca für die Rechte der indigenen Bevölkerung eigesetzt. 1841 zum Richter berufen, wurde er als überzeugter Liberaler zum Gouverneur des Staates Oaxaca ernannt, ein Amt, das er von 1847-52 innehatte.
Die “Interimsdiktatur” Santa Anas 1853/54 verbrachte er gemeinsam mit seinen liberalen Weggefährten Melchor Ocampo und José Guadalupe Montenegro im Exil. Juárez schlug sich als Arbeiter in einer Zigarrenfabrik in New Orleans durch. Im Exil wurde er Mitglied einer revolutionären Junta, deren Truppen am 14. November 1854 in Mexiko Stadt einmarschierten. Unter dem Präsidenten Alvarez wurde Juárez Justizminister und Namenspatron eines Gesetzes, das die Immunität des Klerus aufhob und die Zuständigkeit der katholischen Gerichtsbarkeit auf kirchliche Angelegenheiten begrenzte. 1856 kehrte Juárez als Gouverneur nach Oaxaca zurück. Eine Verfassungsänderung von 1858 beschnitt die Macht der katholischen Kirche weiter, indem sie deren Religionsmonopol aufhob.
Alle Staatsbediensteten und Militärangehörigen mussten von nun an einen Eid auf die Verfassung leisten, was zum offenen Machtkampf mit der katholischen Kirche führte.
Diese bedrohte jeden, der diesen Eid leisten würde, mit Exkommunikation. Ein weiterer, für Juárez‘ politische Karriere bedeutungsvoller Aspekt der neuen Verfassung war die Abschaffung des Amtes eines Vizepräsidenten. Bei Tod oder Abwesenheit des Präsdidenten übernahm nun der Präsident des Obersten Gerichtshofes die Amtsgeschäfte bis zu den nächsten Wahlen.
Die Verfassung wurde gegen den Widerstand der Konservativen verabschiedet. Aus den anschließenden Wahlen ging der gemäßigte Liberale Comonfort als Sieger hervor, Juárez wurde Vorsitzender des Obersten Gerichtshofs und damit zum Stellvertreter des Präsidenten. Als Comonfort in einem konservativen Putsch von General Zuloaga gestürzt wurde, hatten sich die Liberalen in Querétaro bereits zur Verteidigung von Verfassung Reformen formiert: Sie ernannten Juárez zum verfassungsmäßigen Präsidenten der Republik.

"El respeto al derecho ajeno es la paz."

„El respeto al derecho ajeno es la paz.“

Aus dem immer wieder aufflammenden Konflikt zwischen Liberalen und Konservativen wurde daraufhin ein offener, blutiger Bürgerkrieg, dem beinahe auch Juárez selbst zum Opfer gefallen wäre. In Guadalajara war er in die Hände konservativer Truppen und vor ein Erschießungskommando geraten, als sich in letzter Sekunde der Dichter Guillermo Prieto vor Juárez gestellt und gerufen haben soll: “Tapfere Männer morden nicht!”. Die Soldaten senkten ihre Gewehre und Benito Juárez entkam…

Als sich die liberalen Kräfte schließlich durchgesetzt hatten, zog Benito Juárez am 1.Januar 1861 triumphal in Mexiko-Stadt ein, wo er wenige Monate später mit großer Mehrheit zum Präsidenten gewählt wurde.
Die Kosten des Krieges zwangen ihn dazu, die Zahlung der mexikanischen Auslandsschulden auszusetzen. Die europäischen Gläubiger-Staaten Frankreich, Großbritannien und Spanien sandten umgehend eine Strafexpedition nach Mexiko und eroberten Veracruz. Nach dem Bekanntwerden des französischen Plans, in Mexiko mit Zustimmung der konservativen Kreise eine Marionettenregierung zu installieren, zogen sich Spanien und Großbritannien zurück.
Napoleon III gelang es trotz der Niederlage seiner Truppen bei Puebla, den Habsburger Erzherzog Maximilian als mexikanischen Kaiser zu installieren. Juárez ließ die Hauptstadt evakuieren und zog sich in den Norden zurück, von wo er den Widerstand gegen diesen Versuch, Mexiko zu rekolonialisieren, organisierte. Nach dem Ende des us-amerikanischen Bürgerkriegs wuchs die militärische Unterstützung der USA für Juárez, Frankreich zog daraufhin seine Truppen ab und überließ Maximilian seinem Schicksal.

Benito Juárez‘ Grab auf dem Friedhof „San Fernando“ in Mexiko Stadt. Juárez starb am 18. Juli 1872 an einem Herzanfall, der Ihn an seinem Schreibtisch im Regierungssitz ereilte. By PetrohsW (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Benito Juárez‘ Grab auf dem Friedhof „San Fernando“ in Mexiko Stadt. Juárez starb am 18. Juli 1872 an einem Herzanfall, der Ihn an seinem Schreibtisch im Regierungssitz ereilte. By PetrohsW (Own work) CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Anlässlich der Rückkehr seiner legitimen Regierung nach Mexiko-Stadt im Juli 1867, hielt Juárez seine berühmte Rede, in der er das mexikanische Volk zur Einigkeit aufrief. Das bekannteste Zitat aus dieser Rede lernt noch heute jedes Schulkind in Mexiko: „Entre los individuos, como entre las naciones, el respeto al derecho ajeno es la paz“ (Zwischen Individuen wie zwischen Staaten bedeutet Frieden den Respekt vor den Rechten des Anderen.)
Die letzten Amtsjahre des bis heute als Nationalheld und großer Reformer verehrten Juárez galten der Restauration der Republik, der Sicherung der hart erkämpften nationalen Einheit, der Stärkung der von Mexiko-Stadt ausgehenden Zentralgewalt zu Lasten regionaler Caciquen (politisch-militärische Führer), der wirtschaftlichen und technologischen Modernisierung des Landes, sowie der Neuordnung des Schulwesens. Die Reduzierung des Militärs auf ein Drittel seiner vorigen Stärke sollte die politische Stabilität des Landes fördern und die immensen Militärausgaben senken.
Das daraus resultierende Potenzial arbeitsloser und verbitterter ehemaliger Soldaten und Offiziere machte sich schließlich Juárez’ Gegenspieler, General Porfirio Díaz, zunutze…