Hintergrund

Nach dem Verlust der deutschen Kolonien wurde Südafrika vom Völkerbund als Mandatsmacht in Südwestafrika eingesetzt.
Ehemaligen deutschen Siedlern wurde ein Bleiberecht neben den neu angesiedelten südafrikanischen Farmern, meist so genannte Dorslandtrekker aus Angola, eingeräumt, wodurch sich die Hoffnung der Namibier, ihr Land wieder zu bekommen, zerschlug.
Stattdessen wurden Fremdherrschaft, Ausbeutung und Diskriminierung in den folgenden Jahrzehnten unter dem Begriff der Apartheid fortgeführt und gesetzlich legitimiert.
So wurde 1922 eine Siedlung der Bondelswarts (eine Gruppe der Orlam-Nama) von der südafrikanischen Luftwaffe bombardiert, weil sich diese gegen die Einführung und drastische Erhöhung der Hundesteuer auf ihre Jagdhunde wehrten. Bei diesem Angriff kamen 130 Menschen ums Leben, weitere 468 wurden verletzt oder gefangengenommen.
Mit der Ablösung des Völkerbundes durch die UNO nach dem Zweiten Weltkrieg sollte das namibische Mandatsgebiet durch die Vereinten Nationen treuhänderisch verwaltet werden. Südafrika ignorierte den Widerruf des Mandats durch die UNO und forderte den Anschluss des namibischen Territoriums an Südafrika als fünfte Provinz.
Mit dem Wahlsieg der Nationalen Partei bei den südafrikanischen Wahlen von 1948 errang die Rassentrennung Verfassungsstatus und die Konflikte in Namibia verschärften sich.
Karte der Homelands in NamibiaDie rassistische Politik der “getrennten Entwicklung” wurde insbesondere mit der Verabschiedung des Group Area Acts von 1950 (Umsiedlung in nach Ethnien getrennte Ghettos) und durch die Schaffung von Home- und Farmlands gemäß der Odendaal-Kommission von 1964 umgesetzt. Dabei wurden den verschiedenen indigenen Gruppen jeweils bestimmte Siedlungsgebiete zugewiesen, die aufgrund von Bodenbeschaffenheit und Wassermangel häufig nicht sinnvoll zu bewirtschaften waren, während mehr als 80 Prozent des Farmlandes in Händen (weniger) Weißer blieb. (Karte: U.S. Central Intelligence Agency [Public domain], via Wikimedia Commons)
In den städtischen Gebieten wurden analog zur Entwicklung in Südafrika so genannte “Townships” für die schwarze Bevölkerung errichtet, in denen überwiegend männliche Arbeiter lebten.
So wurde 1958 eine Gruppe von 400 Damara aus dem fruchtbaren Augeigas-Gebiet in das karge Okombahe-Reservat zwangsumgesiedelt, wobei Tausende ihrer Rinder starben, die Nama-Gemeinde von Hoachanas wehrte sich zunächst, unter anderem mit einem Appell an die UNO, in das ihnen zugewiesene, trostlose Land in Tses zu ziehen, wurde aber 1959 dennoch dazu gezwungen. In Windhoek wurden die Bewohner der so genannten “Old Location” gezwungen, in das neue Township Katatura zu ziehen (“Wo wir nicht leben können” in Otjiherero). Obwohl auch die “Old Location” , aus der sie vertrieben wurden, schlechte Bedingungen bot, lebten die Menschen dort seit Generationen und einige Bewohner besaßen Eigentumsrechte. In Katutura wurden die Menschen nach Ethnien aufgeteilt, und die Coloureds wurden in einen separaten Bereich, Khomasdal, verlegt, wo sie bessere Lebensbedingungen vorfanden als die schwarze Bevölkerung. Im Rahmen der Proteste gegen diese Zwangsumsiedlung wurden 11 Menschen getötet. Diese Vorfälle gelten als ein Auslöser des Befreiungskrieges und führten zum Zusammenschluss verschiedener Bewegungen wie der OPO (Ovamboland People’s Organization), der SWANU (South-West African National Union) und dem Herero Chief’s Council, um sich den Zwangsumsiedlungen zu widersetzen.
Sam Nujoma RomcropAm 19. April 1960 gründete sich die South West Africa People’s Organisation (SWAPO) unter Parteichef Sam Nujoma. Ihr militärischer Arm, die PLAN (People’s Liberation Army of Namibia) begann 1966 den militärischen Kampf um die Unabhängigkeit des Landes. (Bild: Romanian Government [Public domain], via Wikimedia Commons)
Die Swapo bzw. Plan operierten anfangs meist von sambischem Territorium, da ungeachtet der fortschreitenden Dekolonisierung Afrikas während der 1960er Jahre Namibias nördliches Nachbarland Angola bis 1975 portugiesische Kolonie war.
1973 erklärte die UNO die Swapo zur rechtmäßigen Vertretung der Bewohner Südwestafrikas.
Mit der Unabhängigkeit Angolas im November 1975 verlagerte die Swapo ihre Basen nach Angola, wo sie zunehmend von sowjetischen und kubanischen Militärberatern unterstützt und mit Waffen versorgt wurde.
Angolas erster Präsident Agostinho Neto, der einseitig die Unabhängigkeit von Portugal ausgerufen hatte, bat Kuba, die Integrität des neuen Staates zu gewährleisten, da sowohl südafrikanische Truppen in der “Operation Zulu”, als auch die von Zaire unterstützte FNLA (Nationale Front zur Befreiung Angolas) tief in angolanisches Territorium eingedrungen waren. Im Dezember 1975 kamen ca. 50 000 kubanische Soldaten in Luanda an und stoppten vor Jahresende den südafrikanischen Vormarsch.
Button African Activist Archive Button African Activist ArchiveUnter den Vorzeichen des Kalten Krieges hatten die USA kein Interesse an der Unabhängigkeit Namibias. Stattdessen galt ihr Interesse den südafrikanischen Uranvorkommen, so dass die USA 21mal Sicherheitsrat-Resolutionen per Veto verhinderten, die Südafrika zum Einlenken bringen sollten. (Bilder: © African Activist Archive)
Schließlich wurde die UN-Resolution 435, die den Abzug der südafrikanischen Truppen und freie Wahlen unter UNO-Aufsicht forderte, am 29.9.1978 ohne Gegenstimme angenommen. Grundlage der Entschließung war der Plan der so genannten “westlichen Kontaktgruppe”, eines Gremiums aus Diplomaten der Staaten Frankreich, Großbritannien, USA, Bundesrepublik und Kanada, das diesen Plan in multilateralen Gesprächen mit Südafrika, der SWAPO, den sogenannten Frontstaaten des Südlichen Afrika (Tansania, Mosambik, Botswana, Sambia, Angola) und Nigeria als afrikanischer Regionalmacht ausgehandelt hatte.
Die Turnhalle von Windoek, NamibiaDoch die südafrikanische Regierung machte zur Bedingung, dass die Wahlen unter Aufsischt der südafrikanischen Polizei stattfinden sollten, wissend, dass die Swapo sie dann boykottieren würde. Der Wahlsieg der nach ihrem ersten Tagungsort benannten “Turnhallenallianz”, die vor allem die weiße Minderheit repräsentierte, fand international keine Anerkennung. (Bild: Pgallert [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons)
In den Folgejahren verschrieb sich Südafrika der Taktik des Zeitschindens während mit dem Amtsantritt Ronald Reagans die von den übrigen Staaten der Kontaktgruppe abgelehnte Linkage-Politik die Oberhand gewann, wonach die Ausführung der Resolution 435 den Abzug der Kubaner aus Angola zur Voraussetzung haben sollte.
Erst mit dem Ende des Kalten Krieges kam es schließlich zu einem Waffenstillstand zwischen Südafrika und der SWAPO (1988) und zu einem von der UN überwachten Abzug der südafrikanischen Truppen. Vom 7. bis 11. November 1989 fanden Wahlen zu einer verfassunggebenden Versammlung statt, bei denen die SWAPO-Partei mit gut 57 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit errang.
Mit dem Inkraftteten der Verfassung am 21. März 1990 wurde Namibia unabhängig.